Outing oder Gedanken über sich

Nachdem mir Svenja in Ihrer Mail ganz klar gesagt hat, dass ich ihrer Meinung nach ohne Zweifel transgender wäre, bin ich ein wenig in mich gegangen und habe die letzten Jahre Revue passieren lassen.

So ganz einfach ist es ja nicht, wenn man akzeptieren muss, dass man anders ist als der überwiegende Teil der Menschen. Aber wenn ich mal ganz lange in die Vergangenheit zurück gehe, dann fand ich das Leben als Mädchen schon als Junge interessant. Klar bin ich als ganz „normaler“ Junge aufgewachsen. Das war damals nun mal so, aber das Interesse an den „Vorteilen“ eines Mädchens stellten sich schon während der Pubertät ein. Ich habe damals schon die Mädchen und Frauen um die schicken Klamotten beneidet. Unsereins bekam immer den gleichen „Brei“ vorgesetzt, Jeans und T-Shirt oder Hemd. Später als gestandener „Mann“ verstärkte sich das noch, auch wenn ich mich jahrelang nicht getraut habe Kleidung aus den Damenabteilungen zu tragen. Aber gerade im Sommer war das ganz schlimm, ich durfte in Hemd und Hose schwitzen und die Frauen konnten luftige Kleider und Röcke tragen. Irgendwann schlichen sich dann aber doch ein paar weibliche Kleidungsstücke in meinen Kleiderschrank. Das fing ganz „harmlos“ bei Kleinigkeiten an und wurde aber recht schnell mehr und mehr. Das ist wie bei einem Dammbruch, das fängt auch mit einem kleinen Riss an und weitet sich dann zu einem riesen Loch. Mittlerweile kaufe ich meine Kleidung fast ausschließlich in den Damenabteilungen und seit einigen Jahren trage meine Röcke auch in der Öffentlichkeit. Allerdings bin ich dabei immer noch als Mann zu erkennen. Bisher habe ich kein großes Verlangen nach einem Passing, aber der „Damm“ ist auch noch nicht ganz gebrochen. Ich merke aber ganz deutlich, dass die Entwicklung noch längst nicht abgeschlossen ist. Denn das „Frau sein“ beschränkt sich längst nicht mehr nur auf die Kleidung. Das ganze Umfeld ändert sich. Das beginnt bei der Frisur, geht über Schmuck und Accessoires bis hin zu weiblich Bewegungen. Am Anfang dachte ich, das liegt am Rocktragen, damit kann man sich halt nicht hinlümmeln, aber ich beobachte das schon seit einiger Zeit, dass ich mich auch mit einer Hose anders bewege wie früher.
Einfach ist das Ganze natürlich nicht. Man wird ganz schnell in eine Schublade gesteckt. Abhängig von den Leuten und ihrer Bildung geht das von „schwul“ bis „Transvestit“. Wobei die Variante „schwul“ ganz verbreitet ist. Dabei sind die Leute in der Regel zu feige es einem direkt ins Gesicht zu sagen. Das wird dann im Hintergrund verbreitet und beschränkt sich nicht nur um die nähere Umgebung, dass zieht recht große Kreise. Da ist man dann in einer anonymen Großstadt deutlich besser dran. Nun ja, da muss man dann halt durch, Kopf hoch und mit erhobenen Hauptes los marschiert. Nichts ist schlimmer, als sich in dunklen Ecken herumzudrücken und sich in der Masse verstecken zu wollen. Klapp eh nicht, irgendeiner sieht dich doch und dann wird das Gerede nur noch schlimmer. Wenn man dazu steht und sich nicht weiter um das Gerede kümmert, dann wird es irgendwann den Leuten zu langweilig und die suchen sich ein neues „Opfer“.

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