Es ist vollbracht…

…nun harre ich in Erwartung der Reaktionen auf den Montag.

Ich habe kurz vor Feierabend die im vorherigen Beitrag erwähnten Mail abgeschickt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass trotz der fortgeschrittenen Arbeitszeit etliche Kollegen die Mail schon gelesen haben.

Fall jemand Interesse hat, hier die Mail….

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

in Abstimmung mit [Name der Personalchefin] schreibe ich Ihnen diese Mail. Es wird eine ungewöhnliche Mail sein, es wird eine Mail sein wie Sie sie noch nie bekommen haben. Es wird vielleicht auch eine interessante Mail sein. Ich werde versuchen sie nicht zu lang werden zu lassen, aber ein klein wenig ausholen muss ich schon um zum Thema zu kommen. Einige von Ihnen werden überhaupt nicht wissen wer ich bin, wir haben uns vermutlich noch nie gesehen. Aber am Ende dieser Mail werden sie zumindest wissen was ich bin.

Ich vermute mal, dass einigen Kollegen durchaus aufgefallen ist, dass ich mich in den letzten Jahren rein äußerlich deutlich verändert habe. Von der Person, die vor etwas über acht Jahren zu der „Familie“ der [Arbeitgeber] dazugekommen ist, ist dem Aussehen nach nicht viel übrig geblieben. Das liegt daran, dass ich vor einigen Jahren beschlossen habe mein Leben zu leben und nicht so zu leben wie die Gesellschaft es von mir erwartete. Bis auf einen Kollegen hat sich allerdings niemand ein Herz gefasst und mich auf die Veränderungen angesprochen. Ich weiß bis heute nicht, ob es dem Respekt mir gegenüber geschuldet war, oder aber ob es am fehlenden Mut gelegen hat. Eigentlich ist es aber auch egal. Ich empfand es immer sehr wohltuend, dass ich trotz meiner Veränderungen einfach weiter ein Kollege gewesen bin. Sicherlich ist mir bewusst, dass ab und an mal über mich gesprochen wurde. Aber auch dies ist vollkommen normal und gehört einfach dazu. Bei aller Normalität bin ich anders, ich entspreche nicht der Normalität. Was immer man auch als Normal bezeichnen will. Der eine oder andere Kollege hat auch bemerkt, dass ich nicht nur anders aussehe, sondern dass ich auch ein wenig anders denke. Um es mal vereinfacht auszudrücken, ich denke nicht männlich, ich denke und empfinde weiblich. Ich bin jemand der Transident ist. Ich lebe mit weiblichen Denken, Fühlen und Empfindungen in einem männlich Körper.
Nach einigen Begebenheiten in der letzten Zeit scheint es nun an der Zeit zu sein den letzten Schritt zu gehen. Und somit kommen wir zum Grund dieser Mail. Mittlerweile mag ich weder den Herr B. noch den Vornamen H. Es sind Dinge die irgendwie nicht mehr zu mir gehören. Es sind Dinge aus einem anderen Leben. Dazu kommt die Tatsache, dass ich für Menschen denen ich zum ersten Mal begegne durchaus als weiblich erscheine und es ist ein wenig verstörend wenn ich externen Besuchern als Herr B. vorgestellt werde. Aus diesen Gründen möchte ich Sie bitten mir gegenüber in Zukunft weibliche Personalpronomen zu verwenden. Es ist sicherlich nicht einfach, wenn man acht Jahre lang mit Herr B. zusammen gearbeitet hat und diesen nun plötzlich mit Frau B. ansprechen soll. Aber keine Angst, ich werden auch weiter auf Herr B. und H. hören und ich bin auch niemanden böse dem dies heraus rutscht. Aber Frau Christine B. gefällt mir deutlich besser als Herr H. B. Ich hoffe nur, dass wir weiter gute Kollegen sein werden und auch weiterhin gut zusammen arbeiten werden.

Die Mail ist wie erwartet doch ein wenig länger geworden. Aber keine Angst ich komme nun zum Schluss. Ich möchte diese Mail mit einer Aussage einer Person die mir sehr geholfen hat herauszufinden wer oder was ich bin schließen.
„Wenn mein Tun und Handeln Euer größtes Problem ist, dann sind die Probleme der Welt gelöst.“

liebe Grüße

Christine ( Chris) B.

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2 Kommentare zu „Es ist vollbracht…

    1. Die Reaktionen waren durchweg positiv. Das ging von „Herzlich Willkommen“ über „Hut ab vor dem Mut“ bis hin zu dieser Reaktion…

      „Tolle Mail, musste ich zweimal lesen. Aus meiner Sicht bedarf sie mindestens die Menge an Mut sie zu schreiben wie mir gefehlt hat dich darauf anzusprechen. Respekt. Sowas passiert ja sonst nur im außerpersönlichen Bereich oder im Fernsehen. Ich werde mein bestes geben dein Anliegen zu respektieren und Deiner Bitte nachzukommen. Tut mir aufrichtig Leid, dass erst jetzt mit deiner Mail die nötige Ernsthaftigkeit und der Respekt bei mir angekommen ist, den das von Anfang an verdient hätte.“

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